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holyEATS #2: Vapiano verpartnert sich, Deliveroo päppelt Nachwuchs-Gastronomen, McDonald’s unter Zeitdruck

15. März 2018

GASTRO-KETTEN

Mehr Läden, mehr Technik, mehr Mini-Vappis: Vapiano will ganz groß werden

Schon wieder Pasta? Naja, am nordrhein-westfälischen Großexporteur scheinitalienischer Esskultur kommt dieser Tage halt niemand so leicht vorbei – also: außer in den Innenstädten, wo das Unternehmen bis auf die Nudel genau ausrechnen lässt, wie die Umsätze an neuen Standorten ausfallen werden, bevor überhaupt an den Mietvertrag gedacht wird. (Die „Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ weiß ein bisschen mehr dazu.) Auf der Hamburger Gastromesse Internorga hat Vapiano-Chef Jochen Halfmann dem Branchenmagazin „Food Service“ gerade nochmal die Eckdaten einer erfolgreichen Vapiano-Neueröffnung in den Block diktiert: 550 bis 800 Quadratmeter Platz; 220 Sitzplätze; Mut zum Mini-Vappi, das sich in Ingolstadt und Wien bewährt hat und im März auch nach Berlin kommt; mehr Technik im Restaurant; und der Ausbau des Liefergeschäfts, das Halfmann zufolge für zusätzliche Umsätze sorge (anstatt den Restaurants die Kunden zu mopsen).

Darüber hinaus will sich die in Hamburg gegründete Kette, die lange Zeit vor allem im klassischen Franchise-System gewachsen ist, künftig stärker mit Joint-Ventures ausbreiten, Restaurants also selbst (mit)betreiben. „Food Service“ referiert: „Mit einem starken Partner könne man einfacher in neuen interessanten Märkten, wie etwa Frankreich, Fuß fassen.“ (Wo sich Vapiano zuletzt in teuren Top-Lagen breit gemacht hat, z.B. an den Champs Elysées, siege Foto; gerade ist ein weiteres Restaurant in der Region Marseille dazu gekommen.)

Anders gesagt: Wachstum hat bei Vapiano gerade oberste Priorität, dafür werden auch deutliche Verluste in Kauf genommen. Wie leicht es ist, sich dabei zu verzetteln, war hier schon im Premieren-Newsletter Thema. Und wie weit die erfolgsverwöhnte Pasta- und Nudelkette schon in der Verzettelung steckt, schauen wir uns demnächst mal etwas genauer an.


DELIVERY

„Pop-up kitchens“ für Jung-Gastronomen: Deliveroos clevere Fördertaktik

Alle Jahre wieder meldet das konsequent überfinanzierte britische Lieferessen-Start-up Deliveroo, dass es wieder einen ganzen Haufen junger Super-Performer einstellen will, um künftig noch mehr Kunden davor zu bewahren, sich zur Selbstversorgung in der Küche zu betätigen – und prompt landete der vermeldete Jobsegen wieder in zahlreichen Online-Medien. Dabei ist’s eigentlich viel interessanter, wie sich Deliveroo – selbst auch erst fünf Jahre alt –junge Gastro-Konzepte fördert.

Die „Deliveroo Editions“ getauften Lieferküchen, die in der großstädtischen Gastro-Diaspora für mehr Bestellauswahl (und vor allem: mehr Kundschaft) sorgen sollen, sind dafür offensichtlich die ideale Startrampe.

Am Rande des Londoner Bankenbezirks Canary Wharf lässt Deliveroo bekanntlich bereits seit dem vergangenen Jahr Lieferessen unter der Bahntrasse kochen, vorrangig von Delivery-only-Ablegern bekannter Restaurantketten wie Gourmet Burger Kitchen. Wie der Londoner „Evening Standard“ meldet, kriegt das auf einem Privatparkplatz errichtete Containerdorf jetzt ein paar neue Bewohner: Junggastronomen, die bislang vor allem auf Streetfood-Märkten aktiv waren und es sich (noch) nicht leisten können, eigene Läden aufzumachen, kriegen eine Chance als „Pop-up kitchens“ in den Canary-Wharf-„Editions“. Für drei Monate bekommen Kunden in ihrer Deliveroo-App Gerichte von SpiceBox, Matcha Burger Bar, SuBuSake und Kabab zur Auswahl angeboten.

Für die Food-Start-ups ist das vermutlich ein guter Deal, weil sie ausprobieren können, ob ihr Konzept auch bei neuen, anderen, größeren Zielgruppen ankommt. Und Deliveroo zieht sich im Erfolgsfall nicht nur die Gastro-Partner von morgen heran und ist an den Umsätzen beteiligt, wenn die sich dauerhaft in den „Editions“-Küchen einmieten.

Sondern kann sich, falls eines der Konzepte zu einem echten Hit wird, vermutlich auch der Loyalität der Gastro-Youngsters sicher sein bzw. gegenüber der wachsenden Lieferkonkurrenz mit (im Zweifel schon jetzt vertraglich festgeschriebenen) Exklusiv-Partnerschaften punkten. Geht doch nix über ein bisschen Weitsicht. Notfalls halt auch auf Privatparkplätzen mitten im Industriegebiet.


GASTRO-KETTEN

McDonald’s und die Tücken der selbst verordneten Modernisierung

Revolutionen brauchen bei der weltweit bekanntesten Fast-Food-Kette immer etwas mehr Anlauf als anderswo, aber für seine (bisherigen) Verhältnisse ist McDonald’s derzeit ganz gut dabei: In den USA legt die Kette seit vergangener Woche keine Tiefkühlbuletten mehr zwischen die Burgerbrötchenhälfte seiner Quarter Pounder – sondern Patties aus frischem Rindfleisch. Die Konkurrenz lästert. Aber aus McDonald’s-Sicht ist die Frischfleisch-Umstellung ein echter Kraftakt, wie Eater recht anschaulich erklärt, weil dafür zahlreiche Prozesse in den Restaurants umgekrempelt werden müssen.

Ähnlich kompliziert, wenn auch in anderem Verhältnis, dürfte der Test gewesen sein, bei dem McDonald’s vor zweieinhalb Jahren in Deutschland probeweise Burger mit Bio-Fleisch verkaufte – und den „McB“ flugs wieder abschaffte. Warum der öffentliche Spott darüber nur zur Hälfte berechtigt war, hab ich damals für Krautreporter aufgeschrieben (u.a. mussten vor dem Test sämtliche Filialen Bio-zertifiziert werden).

Sicher ist: Bei dem Fast-Food-Giganten, von dem man noch vor ein paar Jahren dachte, er komme angesichts immer neuer Konkurrenten so langsam aus der Mode, ist was in Bewegung. In Deutschland steht der vermutlich wichtigste Modernisierungstest im Sommer bevor, wenn Kunden ihre Burger per App ordern können, bevor sie in der Filiale auftauchen. Die Initiativen sorgen allerdings auch für neue Herausforderungen: Bloomberg schreibt, vielen Mitarbeitern in den USA werde der Stress mit den vielen neuen Bestell-Technologien zuviel. Weil’s keinen höheren Stundenlohn gebe, suchten sich viele einfach einen anderen Fast-Food-Job. Die Kunden müssen, obwohl doch eigentlich alles schneller gehen soll, womöglich länger warten. Weil sich so ein Individual-Burger mit frischer Rindfleischbulette sich auch in den Küchen eines Fast-Food-Imperiums nicht so einfach herbeischnipsen lässt.

Eine Minute länger dauert so ein On-Demand-Quarter-Pounder, hat Reuters ausgerechnet. (Weil nix warmgehalten wird.) Bleibt noch zu klären: Ist das McDonald’s-Kunden eine Minute zuviel?


Nachschlag

  • Foodora fires courier for refusing to quit workers‘ chat group (Financial Review)
  • Lieferando-Mutter weitet ihre Verluste aus (Handelsblatt)
  • Starbucks Tries Digital Menus to Fight Post-Lunch Slump (Bloomberg)
  • Hühnchen-Notstand: KFC greift gegen Lieferanten DHL durch (Wiwo)

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Titelfoto: holyEATS"