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holyEATS #43: 5 Anzeichen dafür, dass Uber seinen Essenslieferdienst Uber Eats bald auch in Deutschland starten will

14. Oktober 2019

DELIVERY

1. Uber etabliert sich zunehmend in deutschen Großstädten

Als Anbieter von innerstädtischen Fahrten ist Uber in deutschen Metropolen zuletzt zunehmend sichtbarer geworden. Erst im Oktober startete eine Kampagne unter dem Motto „Wir sind hier“ mit regionalen Bezügen, die auf Uber als Mobilitätsdienstleister aufmerksam machen sollen. Aktiv ist das Unternehmen derzeit in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München mit seinen Diensten UberX, UberTaxi und Uber Green. In Berlin und München können Nutzer:innen sich über die App zudem knallrote E-Bikes und E-Scooter unter der Uber-Marke JUMP ausleihen. Der Start von Uber Eats wäre ein konsequenter nächster Schritt – zumal der Service in zahlreichen europäischen Nachbarländern bereits aktiv ist.

Uber Eats („Essen aus der Nähe, regionale Favoriten und alles an einem Ort“) liefert bislang in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, in Polen und Tschechien, außerdem in Großbritannien, Italien, Spanien und Portugal. In den vergangenen Monaten ist die Schweiz mit den Städten Genf und Zürich hinzugekommen. Aus Österreich hatte sich das Unternehmen hingegen im Februar zurückgezogen und dies damit begründet, dass man in Wien „leider nicht so stark gewachsen [ist], wie wir gehofft und erwartet hatten“ (siehe holyEATS #27). Der Blogpost von damals ist inzwischen offline genommen worden.

2. Vorbereitungen in der App

Am Wochenende tauchte bei einigen Nutzer:innen in der regulären Uber-App eine Funktion auf, mit der sich am unteren Bildschirmrand zwischen „Fahrten“ und „Eats“ wechseln ließ.

Beim Klick auf den neu hinzu gekommenen Reiter erschien zunächst jedoch lediglich der Hinweis: „Es tut uns leid, wir sind dort noch nicht vertreten“. Gut möglich, dass Uber die Eats-Funktion kurzzeitig für die baldige Freischaltung getestet hat.

Im Sommer hatte Uber die Option auch im Heimatmarkt in seiner Haupt-App zugänglich gemacht. Man sei

„very, very early in the stages of exploring the many, many ways in which our Ride business can help continue to build our Eats business and vice versa“,

zitierte Techrunch Uber-CEO Dara Khosrowshahi – und entdeckte in der App prompt einen separaten Uber-Eats-Button, der damals jedoch am oberen Bildschirmrand eingeblendet war. Uber Eats soll darüber hinaus weiterhin als separate App verfügbar bleiben.

3. Der Markt ist bereit

„Der unterversorgte Lieferessenmarkt in Deutschland ermöglicht signifikante Wachstumsmöglichkeiten“ – glaubt zumindest Uber-Eats-Mitbewerber Takeaway.com, der damit zuletzt mehrfach sein wachsendes Interesse am hiesigen Markt begründet hat. Man gehe davon aus, dass große Teile der Lieferbestellungen bislang noch traditionell (z.B. per Telefon) laufen. Lieferando habe erst 8 Prozent der Bevölkerung hierzulande als „Active User“ erreicht. Daraus errechnen die Niederländer erhebliches Potenzial für die weitere Digitalisierung von Essensbestellungen – das man freilich gerne alleine abschöpfen würde.

4. Der Weg für einen zweiten Anbieter ist frei

Umgekehrt bedeutet das aber auch: Potenziell gäbe es ausreichend Platz für einen weiteren Herausforderer – der freilich die enormen Investitionen nicht scheuen dürfte, sich bei den Nutzer:innen als Alternative zu etablieren.

Genau das hat der in Großbritannien beheimatete Lieferdienst Deliveroo gerade aufgegeben. Vor wenigen Wochen kündigten die Briten überraschend an, sich aus allen deutschen Städten zurückzuziehen und stellten ihren Service kurz darauf vollständig ein (siehe holyEATS #41). Wer seitdem digital Essen bestellen will, kommt nicht am einzigen verbliebenen Anbieter Lieferando vorbei, einer Tochter von Takeaway.com, das zuvor die deutschen Marken von Delivery Hero übernommen und auf Lieferando überführt hatte (siehe holyEATS #31). Kurz gesagt: Lieferando hat den deutschen Markt für digitale Essenbestellungen derzeit komplett für sich alleine und nimmt das als Voraussetzung, um langfristig wirtschaftlich arbeiten zu können („winner takes most“). Aber niemand kann Konkurrenten vorschreiben, das genauso zu sehen. In der Gastro-Branche wird deshalb bereits über den Markteintritt eines neuen Konkurrenten spekuliert – zumal mit der jetzigen Situation niemand so richtig glücklich ist (außer Lieferando).

Kund:innen sind genervt, dass sie sich ihre Lieblingsrestaurants, die sie früher bei Foodora oder Deliveroo gefunden haben, in der Lieferando-App nun zwischen Fast Food und Billigpizza neu raussuchen müssen. Restaurants, die bewusst keinen eigenen Lieferdienst anbieten, sind wenig glücklich damit, mit ihren Menüs zwischen Imbisse einsortiert zu werden. Und Lieferando macht kein Geheimnis daraus, die eigene unter dem Namen Scoober konzentrierte Lieferlogistik weniger als Teil eines Dienstleistungspakets für Gastronomen zu verstehen – sondern in erster Linie als notwendiges Mittel zum Zweck, das hilft, zusätzliche Restaurants auf die Plattform zu locken und nationale Partner wie McDonald’s zu bedienen.

Dazu kommen tendenziell steigende Provisionen und Gebühren: Bis Jahresende will Takeaway.com die Fusion mit dem britischen Mitbewerber Just Eat abgeschlossen haben und wäre dann der beherrschende Anbieter für Delivery-Dienste in Europa.

5. Uber stellt Teamleiter:innen für Eats ein

Für Uber wäre es nicht der erste Anlauf, mit Uber Eats in Deutschland Fuß zu fassen. 2016 hatte Deutschland-Chef Christoph Weigler in einem Interview schon einmal angekündigt, den Dienst bald in Berlin starten zu wollen. Daraus ist damals nichts geworden. Anfang dieses Jahres suchte das Unternehmen nun aber konkret nach Team-Leitern, um Uber Eats in drei Regionen in Deutschland aufzubauen, Restaurantpartner zu akquirieren und gemeinsam mit diesen das Uber-Eats-Modell in unterschiedliche Städten zu bringen:

„Als ‚Territory Lead‘ für eine von drei Regionen für Uber Eats in Deutschland wirst du die einmalige Gelegenheit haben, unsere Plattform für Lieferessen in einem unserer globalen Schlüsselmärkte zu entwickeln und zu skalieren.“

Gefragt sei die Fähigkeit, kreative Lösungen und Konzepte für Restaurantpartner zu entwickeln, Kampagnen auf die jeweilige Region zuzuschneiden und sich mit den übrigen Uber-Eats-Regionenteams zu koordinieren.

Auf holyEATS-Anfrage will Uber Germany einen Uber-Eats-Start in Deutschland nicht bestätigen – aber auch nicht dementieren. Derzeit gebe es nichts, was zu Plänen in Deutschland gesagt werden könnte, erklärt ein Sprecher:

„Wir schauen uns immer neue Optionen an, wie wir unsere Technologie für die Bedürfnisse der Nutzer ausbauen können, das betrifft auch unsere Aktivitäten mit Eats.“


Es gibt auch Punkte, die gegen einen (baldigen) Deutschland-Start von Uber Eats sprechen, insbesondere die Tatsache, dass bislang keine sichtbaren Anstrengungen von Uber erkennbar sind, eine größere Zahl von Fahrer:innen für einen möglichen Eats-Ableger zu engagieren, die die bestellten Gerichte auch ausliefern könnten.

Von potenziellen Restaurantpartnern dringt bislang ebenfalls nichts an die Öffentlichkeit – wobei das auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass Uber Eats mit einer überschaubaren Zahl an Gastronomen loslegt und das Angebot nach dem Start zügig auszuweiten plant.

Der Start eines neuen Konkurrenten könnte den deutschen Markt für Lieferessen in jedem Fall noch einmal ziemlich durcheinander wirbeln – vor allem, weil Uber Eats einen anderen Ansatz als der Mitbewerber Takeaway.com verfolgt und sich – zumindest im amerikanischen Heimatmarkt – sehr viel experimentierfreudiger gibt. Gemeinsam mit Partnern testet das Unternehmen virtuelle Restaurants, versucht Essenslieferungen durch so genanntes „Order Pooling“ rentabler zu gestalten, bietet gemeinsame Flatrates für Lieferdienste und Fahrten an und konzentriert sich zunehmend darauf, Partner außerhalb der klassischen Gastronomie zu akquirieren. Gerade hat das Unternehmen erklärt, das Start-up Cornershop übernehmen zu wollen, das sich auf die Lieferung von Lebensmitteln spezialisiert hat und u.a. mit Walmart in Toronto zusammenarbeitet. Uber-CEO Khosrowshahi hatte schon des öfteren sein Interesse bekundet, Kund:innen Lebensmittel zu liefern (siehe auch holyEATS #33). Auch hierzulande dürfte es in der Handelsbranche steigendes Interesse an einem Logistikpartner geben, nachdem DHL sich aus der Lieferung frischer Lebensmittel weitgehend zurückzuziehen scheint, während sich immer mehr Kund:innen an den Service gewöhnen.

In den USA hatte Uber Eats zuletzt einen Rückschlag einstecken müssen, als der Partner McDonald’s in diesem Jahr seine exklusive Lieferpartnerschaft mit dem Unternehmen aufgab, um Bestellungen auch vom Wettbewerber DoorDash ausfahren zu lassen. In Deutschland wäre Uber Eats in der umgekehrten Position: Hierzuland musste McDonald’s nach dem Foodora-Verkauf notgedrungen zu Lieferando wechseln, um sein McDelivery-Angebot aufrecht zu erhalten. Mit Uber Eats stünde der Fast-Food-Kette – zumindest in einigen großen Städten – wieder ein alternativer Partner zur Verfügung, mit dem man bereits ein zahlreichen Ländern kooperiert.

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Vielen Dank an Jens für den Hinweis!

Titelfoto: Uber"