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holyEATS #15: Pret A Manger wird in Berlin endgültig zu „PRET“, Dunkin’ ohne „Donuts“, holt sich UberEats Deliveroo?

2. Oktober 2018

MARKETING

Du kannst Dunkin’ zu mir sagen

Um nicht länger auf den Verkauf von glasiertem Fettgebäck reduziert zu werden, streicht sich Dunkin’ Donuts Anfang des kommenden Jahres die Krapfen aus dem Namen – die, zu deren Umtaufung (von „Doughnut“ zu „Donut“) man durch die rasante Ausbreitung des eigenen Filialnetzes wesentlich beigetragen hat. Der „Brand Refresh“ nach fast siebzig Jahren soll der Tatsache Rechnung tragen, dass die Kette schon jetzt größere Teile ihres Umsatzes gar nicht (mehr) mit Donuts, sondern mit Heißgetränken erwirtschaftet und zunehmend verstarbuckst. (Das Vorbild verzichtet seit einiger Zeit ja ebenfalls auf das „Coffee“ im Namen.)

In den vergangenen Monaten hat Dunkin’ den Kurznamen an einzelnen Standorten in den USA getestet ohne bei der Kundschaft Rebellionen auszulösen. Ab 2019 sollen dann 12.000 Läden in 36 – nee, Pardon: 35 – Ländern neue Schilder bekommen. (Mit seinen Franchisenehmern ist Dunkin’ hierzulande nur mit wenigen Filialen vertreten; zuletzt eröffnete am Brandenburger Tor in Berlin ein Store im modernisierten Ladendesign.)

Abgesehen vom neuen Buchstabengeiz bleibt aber eigentlich alles wie es ist: die Logo-Schrift, die quietschbunten Farben, das Angebot. Auf Plakaten wirbt die Kette demnächst mit dem Spruch „Our friends call uns Dunkin’“ für die Umstellung. Marketing-Chef Tony Weisman fabulierte laut „New York Times“, das Unternehmen verbinde mit seinen Kunden ohnehin eine Beziehung, die der zwischen engen Freunden ähnlich sei – und die rede man ja auch mit Vornamen an.

Ich weiß nicht genau, was das über die Qualität der Freundschaft zwischen Donutkette und Mensch sagt, aber der letzte Dunkin’-Donuts-Laden, in den ich vor zwei Wochen meinen Fuß gesetzt habe, begrüßte mich hinter der Eingangstür mit dem Messingschild-gewordenen Hinweis der Filialleitung: „Sitzen nicht länger als 30 Minuten gestattet“.


KETTEN

32 years later: Pret tastet sich nach Deutschland vor

Apropos Namensänderung: „New York, London, Paris, Berlin“ steht kosmopolitangeberisch im Fenster der ersten deutschen Pret-A-Manger-Filiale, die in dieser Woche im Berliner Hauptbahnhof eröffnet. (Nachdem sich das Team gerade schon sehr viel Zeit fürs Sandwichtesteinräumen gelassen hat.) Dabei ist Deutschland bereits das neunte Land, in dem die Sandwichkette aufschlägt, um Klappbrote, Salate und Bio-Kaffee unter die mobilen Esser zu bringen. (Utrecht und Kopenhagen sind als weitere europäische Außenstationen ebenfalls in diesem Jahr neu dazu gekommen.)

Die Neueröffnung ist – 32 Jahre nach der Firmengründung – wohl in erster Linie ein Test, ob die Deutschen auch außerhalb ihres London- bzw. New-York-Urlaubs bereit sind, Geldbeträge in Frischbelegetes zu investieren, für die man an der Kiezdönerbude direkt als Teilhaber einsteigen könnte. Andererseits hat die Deutsche Bahn ihre Kundschaft natürlich über viele Jahre daran gewöhnt, am Bahnhof auch für deutlich simpleres Brotwerk den Geldbeutel extrabreit aufsperren zu müssen.

Die Startbedingungen sind also ganz gut. Auch weil Pret A Manger im neuen DB-Gemischtladenangebot, getauft auf den dämlichen Namen „Station Food“ (siehe holyEATS #8; Köln folgt als nächster Standort), die Ladenfront direkt hinterm Haupteingang zum Washingtonplatz belegen darf. Als Reisender kommt man fast zwangsläufig an dem Laden vorbei. (In direkter Nachbarschaft liegt außerdem die zweite deutsche Filiale des frisch von Coca Cola angeworbenen Wettbewerbers Costa Coffee.)

Wenige Wochen nach Bekanntwerden der Übernahme durch die Kaffee- und Snackketten-Sammelholding JAB, hinter der die deutsche Unternehmerfamilie Reimann steht, ist Pret A Manger ohnehin recht umtriebig. Mit dem gerade gestarteten Herbstmenü vergrößern die Briten ihre Snackbandbreite nochmal deutlich, setzen wieder sehr viel stärker auf Herzhaftes statt Gesundes (Lasagne Macaroni Cheese, getoastete Baguettes, „Power“-Omlelettes) und schließen sich der allgemeinen Verstarbucksung an (mit eigener „Pumpkin Spice Latte“). Für den Oktober hat Pret-CEO Clive Schlee außerdem die Eröffnung des ersten Veggie-Pret außerhalb Londons angekündigt: in Manchester.

Jetzt wissen Sie natürlich immer noch nicht, worauf sich das Apropos vier Absätze weiter oben bezieht. Machen wir’s kurz: Auch Pret A Manger arbeitet an seiner Namensverknappung. Im Tagesgebrauch hat sich bereits vor längerer Zeit die Kurzbezeichnung „Pret“ durchgesetzt; auf der eigenen Webseite und in der Social-Media-Kommunikation verzichtet die Kette ebenfalls auf die Langform des eigenen Namens. Da ist es bloß konsequent, dass über dem Eingang des ersten deutschen Stores bloß noch „PRET“ steht.

Ein Platzproblem? Eher nicht. 6.000 Kilometer weiter westlich haben die Briten kürzlich ihre sehr viel großzügigere Filiale in New York City, Ecke 12th und Broadway, aufgehübscht – und bei dieser Gelegenheit auch die alten Pret-A-Manger-Schilder abgehängt. Auf den neuen steht, Sie haben’s geahnt: bloß „PRET“.

Eine ausgebuffte Marketing-Geschichte gibt’s dazu bislang nicht. (Und Pret.de ist dummerweise auch schon anderweitig vergeben.) Auf Anfrage möchte man sich in London derzeit aber ohnehin nicht zum Verbleib des zweiten Namensteils und den Konsequenzen für die Altfilialen äußern. Bei 530 Läden (minus mindestens zwei bereits umgerüstete) könnte ein Schilderaustausch freilich deutlich schneller vonstatten gehen als bei der Konkurrenz.


DELIVERY

UberEats hat Deliveroo auf dem Speiseplan

Sonst noch was los? Ach ja: UberEats plant, die Lieferessenweltherrschaft an sich zu reißen. Das zumindest wäre das Resultat einer Übernahme des Mitbewerbers Deliveroo, über die Bloomberg kürzlich berichtete.

UberEats, das sich vor allem in den USA stark ausgebreitet hat, wäre mit Deliveroo auf einen Schlag auch in vielen europäischen Städten eine Macht – in solchen, die das Unternehmen bislang noch nicht bedient, und überall dort, wo sich die Fahrer der beiden Dienste bislang in die Quere kommen. Als UberEats Ende August meldete, Bestellungen aus Restaurants in London künftig rund um die Uhr zuzustellen, zog Deliveroo eilig nach. Noch befinden sich die Gespräche laut Bloomberg aber in einem „frühen“ Stadium. (Und Reuters schob direkt hinterher, dass auch Amazon in der Vergangenheit schon zweimal bei den Roos angeklopft hatte; nur nicht fest genug.)

Bislang scheint Deliveroo an der Eigenständigkeit zu hängen – oder will bloß den richtigen Zeitpunkt für eine besonders pralle Mitgift abpassen. Die Frage ist, ab welchem Zeitpunkt das brenzlig wird. Laut „Financial Times“ haben die britischen Gastro-Umkrempler im vergangenen Jahr zwar ihren Umsatz mehr als verdoppelt; gleichzeitig fallen aber auch die Verluste immer üppiger aus und liegen derzeit bei 185 Millionen Pfund (2016: 126 Millionen GBP) – eben auch, weil man sich in Metropolen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Konkurrenz liefert.

In Deutschland hat sich der steigende Druck zuletzt unter anderem im Rückzug aus zehn mittelgroßen Städten bemerkbar gemacht, in denen eigentlich die Expansion geplant war. Gleichzeitig unternimmt Deliveroo weiter alles, um die Wiederbestellhemmnisse so gut wie möglich zu eliminieren: Erst im April war der Mindestbestellwert auf 8 Euro (mittags) bzw. 10 Euro (abends) gesenkt worden; vor vier Wochen erklärte der Roo-Beauftragte der Kundschaft stolz: „Ab sofort kannst du dir dein Lieblingsessen bereits ab einem Mindestbestellwert von 5€ liefern lassen.“


Nachschlag

  • Den ganzen Sommer über feuerte Vapiano-CEO Jochen Halfmann ein Wachstumsversprechen nach dem nächsten in die Medien; zum Herbstanfang ist davon nicht viel übrig geblieben: Vapiano senkt die Jahresprognose aufgrund ausbleibender Gäste wegen akuten Sonnenscheins. Anderswo lief’s besser. (ir.vapiano.com)
  • Delivery Hero hält sich für die „United Nations of Food“, erklärte Foodpanda-Gründer Ralf Wenzel (der mit seinem Laden gerne noch viel mehr Geld verbrennen würde) auf der TOA Conference in Berlin. (Tech.eu)
  • Lassen Sie sich frühzeitig auf die Liste mit den Tischreservierungen für das neue Restaurant von Virgilio Martínez und Pía León im Amazonas setzen; die Planung der Anreise könnte schließlich etwas Zeit in Anspruch nehmen. „The World’s 50 Best Restaurants“ hilft: „kurzer Flug“ von Lima (Peru) nach Puerto Maldonado, Madre de Dios, dann weiter mit dem Boot zum Lunch – und bitte vor Enbruch der Dunkelheit wieder zurück sein! (theworlds50best.com)

Fotos: holyEATS"

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