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holyEATS #22: Starbucks baut sich ein Lieferimperium, Deliveroo testet „Food Hall“-Küchenkombi, Fortsetzung folgt … 2019

20. Dezember 2018

DELIVERY

„Starbucks Delivers“ kommt in 3.500 US-Stores

2.000 Läden seines Partners Alibaba hat Starbucks in 30 chinesischen Städten lieferfit gemacht, um Kunden Heißgetränke und Snacks nachhause oder an den Arbeitsplatz zu bringen (z.B. mit integrierten „Starbucks Delivery Kitchens“). Dabei ist die Kooperation erst vor drei Monaten gestartet. Jetzt macht CEO Kevin Johnson Tempo – und bringt „Starbucks Delivers“ nach einem Test in Miami offiziell auch in die USA. Anfang 2019 sollen ein Viertel aller amerikanischen Starbucks-Filialen die Bestelloption anbieten. Das entspräche über 3.500 Stores. Als Lieferpartner hat sich der Kaffeeriese den Uber-Ableger Uber Eats ausgesucht, der in den USA auch schon für McDonald’s Burger durch die Gegend fährt und angekündigt hat, bis Ende des Jahres 70 Prozent der Amerikaner beliefern zu können.

Die Starbucks-Strategie steht exemplarisch für eine Entwicklung, die gerade zahlreiche großen Food-&-Beverage-Ketten durchmachen: Während die Modernisierung des stationären Geschäfts aus eigener Kraft gestemmt wird, holen sich die Unternehmen für die Expansion in anderen Geschäftsfeldern externe Unterstützung.

Starbucks zum Beisel hat alle Hände voll damit zu tun, seine in die Jahre gekommenen Sesselfriedhöfe zu stylishen Bars mit Cold-Brew-Zapfhahn und Tresen umzubauen und in Metropolen riesige Rösterei-Kaffeespielplätze unter dem „Reserved“-Banner zu eröffnen (gerade ist eine neue Fläche in New York City mit riesiger Bronze-Meerjungfrau dazu gekommen). Um sich gleichzeitig im Handel weiter auszubreiten, haben die Amerikaner bereits im Frühjahr die weltweiten Vermarktungsrechte ihrer Marke an den Nahrungsmittelkonzern Nestlé gegeben. Der bringt nun Starbucks-Produkte für sein weltweit erfolgreiches Nespresso-Kapselsystem auf den Markt. Alibaba und Uber sollen wiederum dafür sorgen, das Potenzial im Delivery-Markt zu erschließen. Allianzen zwischen Riesen scheinen zur neuen Norm zu werden.


LIEFERKÜCHEN

„Deliveroo Food Hall“ kombiniert Restaurant-Menüs

Die Meldungen, Deliveroo habe in Hong Kong sein erstes echtes „Restaurant“ eröffnet, sind stark zwar übertrieben. Immerhin war auf den 140 Quadratmetern im Stadtbezirk Sai Ying Pun nicht mal Platz für ein paar simple Stehtische. (Von Sitzgelegenheiten ganz zu schweigen.) Dennoch ist die „Deliveroo Food Hall“ (ursprünglich: „Deliveroo Food Market“) eine erwähnenswerte Weiterentwicklung des Editions-Lieferküchen-Konzepts – und zwar nicht nur weil der Delivery-Spezialist die Angebote seiner fünf Restaurantpartner diesmal unter eigenem Namen zusammenfasst (CNBC und Inside Retail Asia haben ausführliche Informationen).

Deliveroo wirbt für seine „Food Hall“ auch mit dem Versprechen, dass Gruppen bei der Essensbestellung keine Kompromisse mehr zu machen brauchen, weil sie Burger, Pizza, Sandwiches, Poké Bowls und Steak in einem Rutsch bestellen können, ohne mehrfach Liefergebühr zu zahlen („cater to everyone with Food Hall by combining multiple restaurants into one order“).

Gleichzeitig lässt Deliveroo seine Partner auf der Fläche neue „virtuelle“ Restaurantmarken testen, deren Gerichte in derselben Küche zubereitet werden: Pizza Express probiert „The Pasta Project“, der Burger-Spezialist Beef & Liberty die Veggie-Variante „Leaves & Liberty“, die Poké-Experten Pololi machen American Sushi. Ziel ist, na klar: Umsatzsteigerung. Die Initiative unterstreicht aber gleichzeitig die Ambition von Deliveroo, die eigene Marke künftig stärker in den Vordergrund zu rücken. Wenn das Konzept erfolgreich ist, sollen weitere „Deliveroo Food Halls“ in Hong Kong eröffnen; außerdem wird’s dann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Briten ihre Lieferküchen auch in anderen Ländern entsprechend umrüsten.

Die Idee wäre freilich auch für den deutschen Markt interessant; wenn Deliveroo nicht in die Gänge kommt, könnte das ja – sagen wir: Rivale Foodora übernehmen und zum Beispiel in Berlin etablierte Gastro-Marken an zentraler Stelle zum Küchen-Sharing einladen. Aber das ist natürlich nur ein Vorschlag fürs neue Jahr.


KOOPERATIONEN

Takeaway.com liefert Sandwiches für Albert Heijn to go

Testweise bringt Thuisbezordg.nl, das niederländische Lieferando, ab sofort auch Salate, Wraps und Säfte aus dem Sortiment des Convenience-Supermarkts Albert Heijn to go nachhause oder an den Arbeitsplatz. Vorerst zwar nur in Amsterdam und auf Probe. Aber wenn die Nachfrage stimmt, könnten Lieferessen-Dienste und Supermärkte im kommenden Jahr auch in anderen Märkten zu Dream-Teams werden. Eine ausführliche Analyse steht nebenan bei Supermarktblog.com.


IN EIGENER SACHE

Das erste Dreivierteljahr holyEATS: Fortsetzung folgt

Das war’s für 2018! 22 holyEATS-Ausgaben sind seit vergangenem März erschienen, vollgepackt mit Informationen zu den neusten Entwicklungen in (System-)Gastronomie und Delivery. Und einem detaillierten Blick darauf, wie etablierte Franchise-Marken und ehrgeizige Newcomer um Gäste kämpfen – von McDonald’s und Vapiano bis zu Spreegold und Swing Kitchen. Mit Abstand meistgelesene Ausgabe war holyEATS #9 („Wie Vapiano für die Expansion sein Konzept auf den Kopf stellt – und sich bei der Digitalisierung verzettelt“), gefolgt von holyEATS #6 (mit der Exklusiv-Meldung zum Deutschlandstart von Pret A Manger) und den Ausgaben #7 (BackWerk), #15 (nochmal Pret) und #8 (JAB Holding, Espresso House).

Angesichts des rasanten Tempos, mit dem sich die Branche entwickelt, bleiben auch fürs kommende Jahr genügend interessante Themen, um dieses Projekt fortzusetzen. Genau das hab ich vor. Wenn Sie noch kein regelmäßiger Abonnent sind, können Sie das direkt nachholen. Empfehlen Sie diesen Newsletter ruhig auch Ihren Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen! Außerdem freue ich mich über Themenanregungen und Hinweise auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen.

Die nächste holyEATS-Ausgabe erscheint voraussichtlich Mitte Januar 2019, und zwar mit viel, viel Koffein. Bis dahin: Frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!


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Nachschlag

  • Heimlich, still und leise hat Amazon seinen Lieferessen-Dienst Amazon Restaurants in Großbritannien dicht gemacht. (Evening Standard)
  • „Ich habe mittlerweile gemerkt, dass das einfach nicht so mein Ding ist“: Mit Emanuel Pallua hat der letzte Foodora-Gründer das Unternehmen verlassen. (Food Service)
  • Und bitte bestaunen Sie den im Auftrag der Tex-Mex-Kette Chipotle errichteten Weihnachtsbaum aus 80 Salatköpfen und 10 Kilo Tomaten samt Engel aus Tortillas, Paprika und Zwiebeln. (Twitter, Skift Table)

Titelfoto: Starbucks